Logo

Franz Joseph Dölger-Institut

zur Erforschung der Spätantike

Call for papers: Internationale Konferenz: Importreliquien in Rom von Damasus I. bis Paschalis I.

15.01.2020

Rom, 12.–14. Oktober 2020

Internationale Konferenz
Deutsches Archäologisches Institut in Rom
Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte
Rom, 12.–14. Oktober 2020

Wissenschaftliche Organisation: Ralf Bockmann, Adrian Bremenkamp, Tanja Michalsky und Norbert Zimmermann.

Rom übertraf durch seinen Reichtum an Reliquien alle anderen Städte des Römischen Reiches bei weitem. Hier lagen die Gräber der Apostelfürsten Petrus und Paulus sowie zahlreicher anderer als Märtyrer und Heilige verehrter Opfer der Christenverfolgungen im Römischen Reich. Mit dem als cultor martyrum bekannten Papst Damasus I. (366-384) setzte die Pflege dieses Erbes ein, das unter Paschalis I. (817-824) systematisch erneuert wurde. Nicht zuletzt auf diesem Schatz an Reliquien gründete Rom seine Bedeutung für die christliche Kirche und der Export von Reliquien aus Rom war ein Instrument der Verbreitung von Heiligenkulten sowie Gegenstand politischer Beziehungen.

Und doch dauerte es nicht lange, bis weitere Reliquien von auswärtigen Heiligen nach Rom importiert und in die römische Kultpraxis und Kultlandschaft integriert wurden. Fund, Bergung, Transport, Empfang und Niederlegung der importierten Reliquien wurden aufwendig inszeniert und medial memoriert, sogar dann, wenn eine Translation möglicherweise nie stattfand. So wurde z.B. der Hl. Stephanus im 5. Jahrhundert mit einem an ein Martyrion erinnernden Bau geehrt und im 13. Jahrhundert werden im Freskenzyklus des Portikus von San Lorenzo fuori le mura die Beisetzung seiner Reliquien im Grab des Hl. Laurentius einprägsam ins Bild gesetzt. Importreliquien konnten auf diese Weise zu einem identitätsstiftenden Bestandteil der römischen Sakraltopographie werden.

Diesem von der Forschung bisher kaum beleuchteten Aspekt des römischen Heiligen- und Reliquienkults will die Konferenz "Importreliquien in Rom von Damasus I. bis Paschalis I." nachgehen. Im Zentrum des Interesses stehen: das hagiographische Profil der importierten Heiligen, die Veränderungen in der sakralen Topographie der Stadt, die Kodifizierungen neuer Formen des Reliquienkults als Folge des Imports, die Verwendung künstlerischer Medien und nicht zuletzt die Motivationen der involvierten Akteure. Exemplarisch lassen sich folgende Fragen an dieses Material richten:

- Lassen sich bestimmte Gruppen ausmachen, welche durch die importierten Heiligen repräsentiert werden?
- Ist die Konstruktion von "Fremdheit" in der medialen Aufbereitung der Translationimportierter Heiliger von Bedeutung?
- Wirkt der Import als Katalysator für Neukonzeptionen des Reliquien- und Heiligenkults in Rom?
- Wie stark verändert sich die sakrale Topographie der Stadt durch den Import von Reliquien und die damit verbundenen architektonischen Eingriffe?
- Spielt im Fall von Importreliquien das Anknüpfen an antike Traditionen und Orte in Rom (Stichwort: antiker Heroenkult) eine wichtige Rolle?
- Verlangte die Aufgabe der Inszenierung von Importreliquien nach neuartigen künstlerischen Lösungen oder medialen Dispositiven?

Die Konferenz ist interdisziplinär angelegt und richtet sich insbesondere an Kolleginnen und Kollegen aus der Archäologie, der Kunstgeschichte, den Geschichtswissenschaften, der Sozial- und Kulturanthropologie, der Philosophie- und Religionsgeschichte und der Theologie.

Willkommen sind Vorschläge für Beiträge von einer Dauer von ca. 30 Minuten in Deutsch, Italienisch oder Englisch. Die Veranstalter übernehmen Reise- und Übernachtungskosten für die Vortragenden. Interessierte bitten wir ein Abstract des geplanten Vortrags (max. 350 Wörter) und ein knappes CV (max. 2 Seiten) bis zum 15. Januar 2020 an Raffaele Rossi (rossi@biblhertz.it) zu schicken.

Homepage