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Franz Joseph Dölger-Institut

zur Erforschung der Spätantike

Call for papers: Religiöse (De-)Legitimationsansätze von Gewalt in der Antike

14.02.2019

Mainz

„Religion“ und „Gewalt“ sowie ihre möglichen Interdependenzen sind zentrale Felder des zeitgenössischen Diskurses, obwohl (oder gerade weil?) sich beide Begriffe einer abschließenden Definition bekanntlich verweigern.

Schon in der Antike wird in den verschiedensten Epochen und Textgattungen ein Zusammenhang zwischen Religion (im weitesten Sinne) und Gewalt immer wieder konstatiert bzw. konstruiert und evaluiert. In den Fokus der hier angekündigten Tagung sollen die Modi und Herangehensweisen gestellt werden, mit denen Autoren Gewalt in der Antike religiös legitimieren oder delegitimieren. Relevante Themenkomplexe könnten u.a. die Tötung des Pentheus durch die Mänaden, die diokletianische Christenverfolgung und die spätantike Zerstörung paganer Tempel sein, ebenso die Opferung der Iphigenie auf Aulis und die im Zuge der Auseinandersetzung um Donatisten oder Manichäer begangenen Gewalttaten. Wir möchten ein möglichst breites Spektrum an Sichtweisen sowie Fallbeispielen integrieren und dadurch einen fruchtbaren interdisziplinären Austausch fördern.

Beiträge können sich an folgenden Leitfragen orientieren, müssen sich aber selbstverständlich nicht auf sie beschränken:
· Inwieweit lassen sich moderne Konzepte von Gewalt überhaupt bei antiken Autoren identifizieren? Welche „religiösen“ Handlungen werden semantisch explizit mit dem Begriff „Gewalt“ in Verbindung gebracht, und wo unterbleibt – entgegen moderner Erwartung – dieses Framing? Stellt eine solche Verbindung a priori auch eine Problematisierung dar?
· Welche Rolle spielen spezifisch religiöse Gesichtspunkte bei der (De-)Legitimation von Gewalt im Gegensatz etwa zu politischen, ethnischen oder charakterlichen Aspekten?
· Wie unterscheidet sich das religiös motivierte Sprechen über Gewalt im Mythos von dem auf reale Ereignisse bezogenen und welche Wechselwirkungen existieren zwischen beiden Diskursfeldern?
· Wie werden antike Texte, die religiös (de-)legitimierte Gewalt abbilden, sekundär, also in antiken Scholien bzw. exegetischen Werken oder auch in der modernen Forschungsliteratur behandelt und bewertet?
· Werden bestimmte Formen religiös (de-)legitimierter Gewalt in der heutigen Wahrnehmung besonders privilegiert bzw. marginalisiert?

Bestätigte keynote speakers: Maijastina Kahlos (Helsinki) und Werner Rieß (Hamburg)
Reisekosten werden übernommen, falls die gestellten Finanzierungsanträge bewilligt werden, und ein Tagungsband wird veröffentlicht werden.
Konferenzsprachen werden Deutsch und Englisch sein. Abstracts (max. 300 Wörter) mit Vorschlägen für Vorträge von 30 Minuten (+ 10 Minuten Diskussion) sind nebst einem kurzen CV bis zum 14. Februar 2019 zu richten an: breuerj@uni-mainz.de oder walterj@uni-mainz.de